Freitag, 30. September 2011

Schalke, "Facebook" und der 18. September oder: Warum dies kein Tag der Ultrakultur war

Sollte man als ULTRÀ denkender Mensch virtuelle Aktionen wie Wir scheißen auf den Manuel (-im Vorfeld des jüngsten Spiels zwischen FC Schalke 04 und FCB auf Facebook von vermeintlichen Schalkern ins armselige Leben gerufen-) überhaupt kommentieren oder die geistige Diarrhoe eines pöbelhaft-unkritischen Fußvolks, das sich offenbar für DIE Nordkurve hält oder sich irrtümlicherweise als Inkarnation des Ultrà-Gedankens betrachtet, einfach ignorieren? Wir würden uns durch Ignorieren der besagten Erscheinung gewiss unangreifbarer machen, aber da wir unserem Credo nach denkende und streitbare Subkultur sind, die einen gedankenlosen Pseudo-Ultrà- und Ultrà-Moden-Mainstream geistig herausfordern wird, schweigen wir zu diesen Vorgängen nicht. Daher üben wir an dieser Stelle Kritik sowohl an dem beschriebenen Übel im genannten „sozialen“ Netzwerk sowie grundsätzliche Kritik am Auftreten der Kurve an besagtem Spieltag.

Warum nun sind Aktionen wie jene auf Facebook sowie das Auftreten großer Teile der Kurve einschließlich ihrer hardcore-Klientel am 18. September nicht ULTRÀ?

Erklärung

Ultras, die ihre eigene Philosophie ernst nehmen, sehen in der Unterstützung der eigenen Mannschaft den ersten und eigentlichen Grund ihrer Anwesenheit im Stadion. Ziel der Anwesenheit vieler Ultras und anderer Personen in der Nordkurve war es aber am Tag des Spiels gegen den FCB vor allem, sich, simpel gesagt, auszukotzen. Einerseits verständlich, aber in Form und Inhalt weit über alles sinnvolle und erträgliche Maß hinaus.

  1. Spielatmosphäre dauerhaft zerstört.
  2. Gezielte Meinungsäußerungen via Spruchband und "Willkommensgruß" reichten der blindwütigen Masse nicht aus, die Mannschaft wurde von ihr durch destruktives Verhalten gegenüber dem ehemaligen und sei er auch noch so kritikwürdigen Ex-Keeper irritiert.
  3. Sich mehr um sich selbst und den eigenen Frust gekümmert als um das Spiel. In der 2. HZ war die Luft auch aus den Ultras und der NK gewichen wie aus einem alten schlappen Lederball.
  4. Resultat: Man hat sich erfolgreich ventiliert , dabei aber wertvolle Kraft, die im Support besser investiert gewesen wäre, sinnlos verpulvert – Ergebnis: 0 Punkte und  eine nicht geringe Mitverantwortung für diesen Ausgang.
Empörung, Wut, Trauer, auch für uns alles verständlich. Wir haben die Art und Weise Neuers Abgangs selbst heftig kritisiert. Uns geht es hier jedoch -abgesehen davon, dass man an jenem Tag als Ultras GE die Rolle des 12. Mannes gnadenlos verleugnet hat, indem man über weite Strecken eben nicht die Mannschaft unterstützt hat, sondern Aggressionen gegen eine Einzelperson um der eigenen Wut willen geschürt hat- um inakzeptable Grenzüberschreitungen (makabrer Nachruf auf einen angeblich Toten mittels fragwürdigem Transparent, zahllose Sprech-Chöre à la "Arschloch, Wichser, Hurensohn", peinliche Verhöhnung der Person bei jeder auch noch so nebensächlichen Ballberührung), die keine Kritik mehr darstellen, sondern primitivste Verletzungen der Menschenwürde. Wir stellen weiterhin die Behauptung auf, dass das Spiel im übrigen auch aufgrund dieser katastrophal hasserfüllten Atmosphäre letztlich „den Bach 'runterging“. Und es ist NICHT Aufgabe von uns als Ultras, ein Spiel als angeblich 12. Mann zu zerstören, sondern es ist unsere Aufgabe, das Spiel der eigenen Mannschaft zu befördern! Stattdessen hat man sich mehr als 45 Minuten lang fast nur auf das Sich-Auskotzen konzentriert und damít bodenlos übertrieben. Wenn die Menschenwürde so dermaßen tangiert wird wie an jenem Sonntag geschehen, dann muss man mit kritischem Gegenwind rechnen. Am meisten stört uns an dem Auftritt der an sich von uns sehr geschätzten UGE und der NK, dass sie sich in einem Zustand kollektiver Idiotie präsentiert hat, in einem Zustand vollkommenen Kontrollverlusts und in einem Zustand, der uns und viele andere peinlich berührt lässt. Wir erwarten von Ultras mehr Souveränität, mehr Intelligenz, mehr Führungspersönlichkeit und mehr Stolz!

Wir erinnern euch: Wir sind nicht Hooligans, sondern Ultras. Wir sind strukturiert und organisiert, im Handeln wie im Denken. Wir haben den Anspruch, DENKENDE Menschen zu sein, die sich unterscheiden wollen vom gedankenlosen Event-Tourismus. Aus diesem Grunde sind wir hier jedenfalls ALPHA-Ultras GE.

Glückauf.


Donnerstag, 22. September 2011

Manuel Neuer - die ausgezogene Identität

Der unten veröffentlichte Text mit dem Titel Manuel Neuer - die ausgezogene Identität entstand am 2. Juni 2011. Wir stellen ihn hier ein, um unsere Position zu den Vorgängen rund um Manuel Neuer klarzustellen. Dennoch glauben wir, dass kritischer Geist, Aussprechen der Wahrheit und Wahrung der Menschenwürde sich nicht ausschließen dürfen. Daher distanzieren wir uns hiermit ganz entschieden von der Art und Weise der hasserfüllten und gegen Manuel Neuer gerichteten Aktionen von UGE und NORDKURVE am Sonntag, den 18. September 2011. Daher folgende Stellungnahme, die wir an dieser Stelle an die UGE adressieren:


Auf den schmerzhaften und wenig respektablen Abgang Manuel Neuers in der vergangenen Saison mit einem noch würdeloseren und blamablen Spektakel der Obszönitäten und proletenhaften Sprechchöre zu reagieren - wenig souverän, NORDKURVE und UGE. Peinlichster Auftritt der NORDKURVE seit Jahren.




TEXT vom 2. Juni 2011:

Neuer- die ausgezogene Identität

Mit Manuel Neuer, so die Presse in diesen Tagen, habe Schalke seine "Identifikationsfigur" verloren.
Wir halten entgegen: Schalke hat an Identität gewonnen. Unsere Identität ist nicht abhängig von Figuren.
Neuer ist spätestens mit dem heutigen Tage aus Schalke ausgezogen - und somit aus zahllosen Herzen.
Dies hat er selbst gewählt wie wir vernahmen: "Ich muss nicht wechseln - ich will wechseln."
Neuer hat sein Trikot ausgezogen, alle blau-weißen Bilder und mit Schalke verbundenen textlichen Inhalte mit sofortiger Wirkung von seinen Webseiten entfernt; er hat sich das königsblaue Trikot von der Brust gerissen so wie sich die Schlange ihrer alten Haut entledigt, die nun gänzlich abgestreift und somit uninteressant geworden ist. Und Neuer ist es auch, der seine Identität verloren hat.
Damit müsste hoffentlich auch den letzten Neu(er)-Romantikern und Verschwörungstheoretikern klar geworden sein, dass die Ikone Neuer restlos entzaubert ist. Getraut haben wir ihm nie, wir wurden verlacht, als wir als kritisch Mitdenkende schon vor Monaten zum Besten gaben, er werde uns verraten. Dem Lockruf der Titelsammelei und dem Lockruf des Geldes hat er nicht widerstanden und er wollte dies auch nicht.
Ein Paul Breitner kann mit solchen Worten nichts anfangen, er appelliert an die Vernunft, man müsse doch einsehen, dass der Fußball ein professionelles Geschäft sei, in dem kein Platz für derlei Emotionalitäten sei, wie sie der Wechsel Neuers zum Erzrivalen bei den Schalkern hervorrufe. Sinngemäß geäußert vor wenigen Wochen im berüchtigten Doppelpass.
Wer, so fragt sich der Schalker, ist Paul Breitner? Was versteht diese ökonomisch fixierte und im Erfolgswahn gefesselte personifizierte Gehässigkeit von Gelsenkirchen?
Die Antwortet lautet: Nichts.
Ein Verein, dessen Anhängerschaft die Unterstützung im laufenden Spiel konsequent einstellt, wenn der gewünschte Erfolg sich nicht einstellt, ein Club, der sich seit Jahren den Erfolg nicht so sehr aus den eigenen Reihen heranzieht, sondern sich ihn im Sinne einer Fertighausmentalität auf dem Markt zusammenkauft, eine destruktive Vereinigung wie der FC Bayern München, welche bei all diesen Einkaufstouren immer dasselbe Prinzip verfolgt: "Kaufe dort, wo sich der Erfolg eingestellt hat und reiße dem Gegner die Herzstücke aus der Brust" - kurzum: Eine AG, die sich bewusst dafür entschieden hat, das Fußballhurentum im großen Stile zu fördern, um dann in ihrer eigenen Logik auch saftig davon zu profitieren - eine solche ehrenwerte Gesellschaft kann, und ich danke dem blau-weißen Himmel über uns aus tiefstem Herzen, KANN nicht begreifen, was Schalke bedeutet.
Heimat ist mehr als nur ein Wort, so dachte Neuer noch vor kurzem. Die eigene Website nur so gepflastert mit lokalpatriotischen Aussagen. Das Megaphon noch vor nicht allzu langer Zeit in der Hand, mit der Kurve lauthals gesungen und zelebriert. Das Original 75 Shirt nach dem Spiel entblößt, um zu zeigen, wohin er gehört. Neuer hat von all diesen Dingen profitiert wie kein anderer, und nun entledigt er sich all dieser Dinge wie ein Christbaum, der sich selber abzuschmücken anschickt. Damit stellt Neuer eins unter Beweis: Dass es ihm niemals eine echte Botschaft war, dass es ihm niemals eine echte Identität war, dieses Ultratum. Es war Schein und nicht Sein. Und genau das ist es, was ihm die Menschen hier übel nehmen - nicht, dass er grundsätzlich wechselwillig war, um seine Karriere voranzutreiben, nicht, dass er sich nun verhalten hat wie die allermeisten Profis sich in diesem Geschäft nun einmal verhalten; sondern, dass er die Insignien der blau-weißen Identität benutzt hat, um an Popularität zu gewinnen, dass er sich an ihren schönen Effekten gelabt hat über all die Jahre, dass er sie jedoch schließlich nur als fahle und hohle Dekoration missbraucht hat. Wenn ein Ultra beschließt, seinem Verein die Treue zu brechen, dann gibt es keinen Weg zurück, und dann ist es nur konsequent, ihn aus den eigenen Reihen auszuschließen.
Neuer - er hätte verzichten können auf all die identitätsstiftenden Gesten und Symbole und Aussagen wie "Manuel Neuer und der FC Bayern, das passt nicht." Er hätte verzichten können auf die Oliver-Kahn-Imitationsaktion damals in München an der Eckfahne. Er hätte verzichten können auf Bekenntnisse zu den eigenen Wurzeln und Sätze wie "Entweder spiele ich bei Schalke oder ich spiele gar keinen Fußball."
Neuer war noch jung, als er dies sagte?
Was soll das bedeuten?
Es soll bedeuten, dass Neuer jetzt erwachsen geworden ist.
Mit dem Erwachsensein hat er die Wurzeln gekappt, die symbolhaften Versprechen, die sich in Rede und Taten manifestierten, gebrochen; so, wie fast jeder Erwachsene letztendlich seine Kindheitsträume verrät oder schlichtweg versanden lässt, um sich der Mentalität des Zeitgeistes, der Vernunft, der Rationalität und den traditionslosen Gedankenknebeln der Breitners, Rummenigges und Hoeness dieser Welt anzupassen.
Auf Schalke, Manuel Neuer, werden wir nicht erwachsen.
Nicht so.

Autor: JuGe

Montag, 19. September 2011

Wer wir sind

Alpha ist der erste Buchstabe des griechischen Alphabets. Dreht man das griechische Alpha um 90 ° nach links, so erkennt man einen stilisierten Stierkopf, der auch der ursprünglichen Bedeutung des entsprechenden hebräischen Buchstabens Aleph entspricht.

Die Alpha Ultras Gelsenkirchen möchten die Urkraft des Stieres sinnbildlich ihr eigen nennen und sich vor allem durch erstklassiges Denken in Wort und Schrift auszeichnen. Dabei lassen sie sich leiten vom Zahlwert 1 des hebräischen Aleph sowie der Symbolik des griechischen Alpha, welches gemäß dem bekannten Nachschlagewerk Merriam-Webster wie folgt definiert wird:


Alpha - something that is first : beginning.


Alpha ist ein Anfang, ein Neubeginn, eine GEburt, eine MorGEndämmerung, eine GEnesis, eine Türschwelle. Alpha ist ein ANSTOß.


http://www.merriam-webster.com/dictionary/alpha


Wir wollen anstoßen zum Denken - über und mit SCHALKE.


Dabei sehen wir uns in der Tradition der Ultrabewegung.




Was wir NICHT sind


- Wir sind nicht identisch mit Ultras Gelsenkirchen (UGE) und stellen auch keine Teilgruppe von UGE dar.


- Wir stehen in keinerlei Abhängigkeit von UGE, weder im Denken noch im Handeln.




Was wir wollen


1. Unserer Ansicht nach ist es an der Zeit, Ultras auf Schalke neu zu denken.


2. Einen Alleinvertretungsanspruch der UGE in Sachen Ultras auf Schalke lehnen wir ab. Zwar teilen wir das Ultra - Grundverständnis von UGE, können uns aber dennoch mit bestimmten ihrer verbalen Aktionen nicht einverstanden erklären; wir sind aber zu fairem GEdankenaustausch und Kooperation bereit.


3. Wir stehen nicht in Konkurrenz zu UGE, sondern wollen den Ultragedanken weiter denken und demzufolge weitere geistige Grundlagen schaffen.


4. Den modernen Fußball in seiner stetig wachsenden und ausufernden Kommerzialisierung einschließlich der horrenden Preisentwicklungen für Eintrittskarten sehen wir kritisch.


5. Bedingungslose Unterstützung der eigenen Mannschaft in guten wie in schlechten Zeiten entspringt unserer Liebe von 1904.

6. Wir distanzieren uns von physischer und verbaler Gewalt, von Alkoholismus und Drogenmissbrauch.

7. Pyrotechnik ist für uns schön und erfreulich, wir unterstützen aber nur einen kontrollierten und verantwortungsvollen Umgang mit dieser, so dass niemand zu Schaden kommen kann.

8. Demütigungen, Beleidigungen, Obszönitäten gegen einzelne Trainer oder Ex-Trainer des Vereins, gegen einzelne Spieler oder Ex-Spieler des Vereins bzw. gegen sonstige Verantwortliche unseres Vereins, ob noch aktiv oder nicht, lehnen wir strikt ab.

9. Stadionverbote müssen kritisch gesehen werden, allerdings in beide Richtungen. Weder sind alle Stadionverbote automatisch berechtigt, noch sind alle Stadionverbote automatisch unberechtigt. Hier muss jeder Einzelfall gesondert betrachtet werden.

10. Unsere Hauptaktivität ist das kritische Denken, mit dem wir unseren Verein und die Ultraszene zunächst auf dem Gebiet des geschriebenen Wortes bereichern wollen. Weitere Handlungsfelder lassen sich aber durch gemeinsame Überlegungen erschließen.



Glückauf!

Alpha Ultras Gelsenkirchen



IN EIGENER SACHE

Wer sich dem Gründungskreis der Alpha Ultras Gelsenkirchen anschließen möchte, sollte natürlich unser Selbstverständnis respektieren und teilen. Er oder sie möge dies in einer ausführlichen Stellungnahme verschriftlichen und diese uns zukommen lassen.

Stelle dir die Frage: "Was kann ich für die Gruppe tun?" - Und nicht: "Was kann die Gruppe für mich tun?"
Wir suchen konstruktive Charaktere und keine "Besser-Fans", die sich über andere Schalker stellen wollen, um sich selbst zu profilieren.